10.09.2009

Ein Mann tötet Zeit

Die Tür öffnet sich, ein Mann in schäbiger Montur betritt den Raum. Schwarz fallen seine Gedanken in die Tiefe des Raumes, strahlen dem Ungeziefer in die Augen und lassen sie wie Glühwürmchen erleuchten. Das Zimmer ist nicht groß, eher angepaßt an die Statur des Mannes. Er bewegt sich, macht einen Schritt und fast scheint es als falle der Alltag von ihm ab. Ein Hut verschwindet, unscheinbar. Der nächste Schritt entfernt das Beinkleid. Und weiter: Die Jacke fließt seinen Körper hinab und der knöcherne Korpus eines erschlafften Geistes offenbart sich den anwesenden Kriechtieren. Ein weiterer Schritt, die Gestalt fällt in sich zusammen. Auf Knien krabbelnd beugt sich zunächst sein Kopf, Augenblicke später erlischt das Augenlicht in einem Flammenmeer. Der Mann lebt - er zieht seinen Körper weiter und weiter. Es kommt einem vor, als verfolge er ein Ziel. Nicht sichtbar für den Zuschauer, aber trotz Stille, hörbar erscheint es dennoch. Weiter und weiter, Fuß - Hand - Arm. Alles unterliegt dem Schwund der Meter, alles verschwindet im Staub. Plötzlich - kaum erahnbar - ein seufzen. Fast ein wimmern, so kommt es einem vor. Wie aus dem Nichts sind alle Extremitäten wieder da. Setzen sich zusammen, von Geisterhand geführt, zu einer neuen Form. Am Ende des Zimmers angekommen steht der Mann auf, zieht sich Kleidung aus dem vor ihm stehenden Schrank an, nimmt einen Hut von der Hutstange und verschwindet wortlos aus dem Zimmer. Hinter ihm kracht die Tür, ein heißer Wind durchzieht den Raum und entflammt einen in der Ecke stehenden Kanister Petroleum. In einem Feuermeer untergehend, schreien die Kriechtiere um ihr Leben. Doch sie haben ihr Leben verwirkt - verwirkt durch die Dunkelheit der Jahre. Schreie, welche zu spät kamen.